Gefühle & Emotionen

Emotionen

Unmittelbaren Reaktion des Nervensystems auf eingehende Empfindungen.

Ursprung im limbischen System, angeboren, genetisch verankert.

Psychophysiologische Ebene.

Erfordern einen Moment der Trennung, ggf. die Umleitung der Aufmerksamkeit, ggf. eine Deaktivierung.

Gefühle

Cerebrale Interpretation von Ereignissen und Eindrücken als Ergebnis abstrakten Denkens.

Entstehung im Frontallappen,.

Definition auf verbaler Ebene.

Erfordern Aufmerksamkeit und langfristige Bearbeitung.

Emotionen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie unmittelbar auftreten. Sie sind das Alarm- und Überlebenssystem des Organismus. Sobald wir verstanden haben, was passiert ist und warum wir die eine oder andere Emotion verspüren, reden wir von Gefühlen und nicht mehr von Emotionen. Um ein Gefühl zu haben, ist es notwendig, über das Geschehene nachzudenken, die entstandenen Emotionen zu bewerten, zu reflektieren, wie wir uns verhalten haben, und so zu beginnen, die Situation psychologisch aufzuarbeiten.

Da Emotionen schnell geboren werden und sterben, verfügt unser Organismus über einen weiteren Bewertungs- und Motivierungsmechanismus: Gefühle. Das Gefühl ist hierbei das, was von der Emotion übrig bleibt. In der Tat ist einer der Hauptunterschiede zwischen Emotionen und Gefühlen, dass das Gefühl sich nach und nach entwickelt. Es kann sich ändern und verändern und ist für Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre vorhanden.

Quelle: https://gedankenwelt.de/3-unterschiede-zwischen-emotionen-und-gefuehlen/

Aufgaben und Sinn der Emotionen:

  • Aktivierung und Lenkung unserer Aufmerksamkeit auf unsere Integrität bedrohende Umstände
  • Aktivierung vegetativer Funktionen zur Vorbereitung und zum schnellen Ausführen einer Handlung
  • Steuerung von Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimmlage zur Signalgebung nach außen

Merkmale von Emotionen:

  • Auslösung in Millisekunden
  • automatisierte Bewertung der Situation und ihrer Bedeutung für unser Wohlergehen unter Umgehung des Bewußtseins, um Zeit zu sparen und rasch zu einer eindeutigen Reaktion zu gelangen („autoappraisers“, Paul Ekman)
  • sowohl die Auslösung als auch die Vorgänge in unserem Gehirn, die zu entsprechenden Reaktionen führen, werden uns nicht bewußt und sind uns nicht erinnerlich („keiner von uns ist sich bewusst, was sein Geist im Augenblick der automatischen Bewertung tatsächlich tut.“, Paul Ekman)
  • es gibt universale, bei allen Menschen gleich wirkende Emotionsauslöser, sowie individuelle, höchstpersönliche

Arten von Emotionsauslösern:

Während der bewußten Reflexion über ein Ereignis oder eine Umstandsänderung (vor allem in zunächst mehrdeutigen Situationen)  stößt das Gehirn auf ein passendes Vergleichsmoment in der „Datenbank“ der abgespeicherten Emotionsauslöser. Ab diesem Moment läuft die entsprechende Emotionsauslösung automatisiert ab.

Erinnerung an eine emotionsauslösende Situation kann uns die Emotion nocheinmal durchleben lassen. Sie kann aber auch eine andere Emotion gemäß unserer aktuellen Bewertung unserer damaligen Reaktion auslösen.

…können die entsprechende Emotion leicht erneut auslösen

oft frühe Verknüpfung durch enge Bezugspersonen

Die Verletzung sozialer Normen durch andere ruft bei uns oft Emotionen hervor, die individuel stark variieren können (von Mitleid bis Schadenfreude)

zuindest die Grundemotionen lassen sich quasi in umgekehrter Richtung auch durch das Ausführen der normalerweise von ihnen erzeugten Muskelbewegungen hervorrufen, wie zahlreiche Experimente zeigen.

Grund- oder Basis-Emotionen

Physiologische Reaktion: Abnahme der Herzfrequenz und eine Zunahme des Muskeltonus. Die Atmung wird tiefer. Die Stimmlage spontaner verbaler Äußerungen wird höher.

Handlungsimpuls: Allgemein erhöhte Aufmerksamkeit, Verminderung der Reizschwelle wichtiger Sinne.

Führt psychophysiologisch meist zu einem Gefühl der Unsicherheit.

Aufgabe: Fokussiert unsere Aufmerksamkeit in Gefahrensituation; Richtet die Sinne und unsere Gedanken auf die mögliche Gefahrenquelle aus und bereitet in Sekundenschnelle Abwehrhandlungen vor.

Physiologische Reaktion: Herzfrequenz und Schlagkraft nehmen  abrupt zu, die Atmung beschleunigt sich, wird flacher und unregelmäßig

Handlungsimpuls: Flucht oder Angriff und Kampf

Führt psychophysiologisch meist zu einem Gefühl  von starker bis unerträglicher Anspannung, verbunden mit der Sorge um die eigene Gesundheit und Sicherheit.
Trotzdem es sich um eines der archaischsten, überlebenswichtigsten und häufigsten Gefühle handelt, ist es am schwersten auszuhalten und führt langfristig zur Ausbildung verschiedenster Vermeidungsstrategien.

 

Aufgabe: Schutz vor Kontakt mit potentiell toxischen Stoffen.

Physiologische Reaktion: Erhöhung der Herz- und Atemfrequenz, der Hautleitfähigkeit und der Muskelspannung. Nervale Einflüsse auf die Magen-Darm-Bewegung führen zu Übelkeit.

Handlungsimpuls: Vermeidung des Kontaktes mit potentiell schädlichen Stoffen (Abwehrreaktionen) oder Ihre rasche Eliminierung (Würgereiz, Erbrechen).

Führt psychophysiologisch meist zu einem Gefühl des Ekels, das sich kognitiv verankert und auf ähnliche eventuell auch abstrakte Reize ausbreitet (Ekel vor Situationen, sensorischen oder sozialen Reizen).

Physiologische Reaktion: Anstieg der Herzfrequenz und eine schnellere Atemfrequenz.
Aktivierung des Belohnungssystems mit vermehrter Ausschüttung von Endorphinen und Dopamin.

Handlungsimpuls: Wiederholung der zu dieser Emotion geführten Handlung(en).

Führt psychophysiologisch meist zu einem Gefühl der Freude und Zufriedenheit und zu einem Drang nach Erhalt bzw. Wiederholung des Zustandes.

 

Physiologische Reaktion: signifikante Reduktion der kognitiven und verhaltensmäßigen Aktivität

Handlungsimpuls: Vermeidung unüberlegter Handlungen, Neuorientierung, Schonung von Energieressourcen für eventuell bevorstehende Mehrleistungen.

Führt psychophysiologisch meist zu einem Gefühl der Machtlosigkeit. Rückzug und die Richtung der Aufmersamkeit nach Innen können Chronifizieren, wenn soziale Unterstützung fehlt.

Im Sinne der Evolution war so vielleicht ein Vorteil für sozial abgesicherte Individuen gegenüber solchen ohne weitere Unterstützung oder Integration und damit geringerer Überlebenschancen gegeben.

Physiologische Reaktion: Erhöhung der Herz- und Atemfrequenz, der Hautleitfähigkeit und der Muskelspannung. Nervale Einflüsse auf die Magen-Darm-Bewegung führen zu Übelkeit.

Handlungsimpuls: Vermeidung des Kontaktes mit potentiell schädlichen Stoffen (Abwehrreaktionen) oder Ihre rasche Eliminierung (Würgereiz, Erbrechen).

Führt psychophysiologisch meist zu einem Gefühl des Ekels, das sich kognitiv verankert und auf ähnliche eventuell auch abstrakte Reize ausbreitet (Ekel vor Situationen, sensorischen oder sozialen Reizen).

Stimmungen

Stimmungen sind länger anhaltende (Minuten bis Tage)  Gefühlszustände, in denen die Reizschwelle für die Auslösung bestimmter Emotionen herabgesetzt ist.

Reizbarkeit → Ärger und Wut sind leichter auslösbar

trübe Stimmung → kann zu Trauer führen

allgemeine geringschätzende Haltung → kann in Ekel und Verachtung umschlagen

euphorische, gehobene Stimmung → führt bei geringerem Anlaß zur Freude

sorgenvolle Stimmung → läßt leichter Angst aufkommen